Besuch in der Partnerstadt von Ibbenbüren, in Nijverdal / Hellendoorn in den Niederlanden

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Zehn Redaktionsmitglieder des Online-Magazins “g-bunt“ aus Ibbenbüren unternahmen einen Ausflug der besonderen Art.

Die Einladung kam aus der Partnerstadt Nijverdal/Hellendoorn in den Niederlanden auf  Anregung von Karl-Heinz Mönninghoff. Unterstützt wurde er von Karl- Heinz Klausmeyer, beide Vertreter der Städtepartnerschaft von Ibbenbüren. Ein Schwerpunkt des Ausflugs war das ergreifende Erlebnis im Memory Museum, aber auch eine Stadtführung mit Rathausbesuch und anschließendem Ausklang im Pfannkuchenhaus standen auf dem Plan.

“Ein schönes Ziel, so waren wir uns einig!“ Nach einer herzlichen Begrüßung des Koordinators der Niederländischen Austauschgruppe Henk Beuker, Johan Nijveld und Johan Hegeman gingen wir ins Museum.

Das Memory Museum ist ein internationales Kriegs- und Friedensmuseum. Von einem enthusiastischen Team Freiwilliger gegründet, ist es als Themenpark eingerichtet, in dem den Besuchern Schritt für Schritt die Geschichte vom Aufkommen des Nationalsozialismusses bis zur Befreiung Europas 1945 anschaulich erzählt wird.

Eigens für uns wurde eine Führung in deutscher Sprache durchgeführt. Eine große Sammlung von authentischen Gegenständen und Fahrzeugen, sowie lebensechten Figuren erwartete uns.

Beeindruckt waren wir schon bei der ersten Szene:

“Ein deutscher Fahrzeugkonvoi rollt auf die holländische Grenze zu. Am Schlagbaum steht schon ein Soldat der Wehrmacht bereit, um diesen zu öffnen. Die holländischen Soldaten fliehen auf ihren Fahrrädern, weil nichts anderes zur Verfügung steht.“

Ja, so anschaulich haben wir es erlebt.

 

 

 

 

 

Im weiteren Verlauf holte uns die Geschichte von Anne Frank mit Bildern und Auszügen aus ihrem Tagebuch wieder ein. Viele Eindrücke, betroffene Stille.

Eine anschauliche Dokumentation!

 

 

 

 

 

 

 

 

“ARBEIT MACHT FREI“,

so steht es am Eingangstor zum Konzentrationslager,  weiter der Gang zu den  Unterkünfte in denen zusammengepferchte Gefangene hausten, ließen uns die ganze Tragödie unmenschlichen Ausmaßes  spüren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kriegswaffen und Gegenstände aus allen Bereichen des Alltags, waren in einer großen Ansammlung zu bestaunen.

Ein Film, der die Invasion vom 6. Juni 1944 zeigte (Landung der Alliierten in der Normandie), soll den Besuchern einen Eindruck darüber vermitteln, wie sich Soldaten im Krieg unter schwerem Beschuss durch Artillerie gefühlt haben.

Wir konnten die Angst sehr gut nachvollziehen!

Weiter ging es in der Ausstellung zu den Quartieren der Soldaten, Sanitätsräume und Verteidigungsstellungen mit Schützengräben.  Alles im Originalmaßstab, bestückt mit vielen Requisiten dieser Zeit.

Beeindruckend!

 

 

 

 

 

 

Eine Winterlandschaft mit herannahenden Panzerbataillonen war zu bestaunen, so klar in Szene gesetzt, dass wir nicht viel Phantasie brauchten, um die Zerstörung durch diese Kriegsmaschinerie zu erahnen.

Dazu gehörte auch ein weiteres zerstörerisches Instrument dieser Zeit, welches in voller Größe ausgestellt war, ein “V1 Marschflugkörper mit Abschussrampe“.

Im weiteren Verlauf zeigte das Museum eine Darstellung von fliehenden holländischen Familien. Gerade das nötigste zusammengerafft, versuchten sie dem Kriegstreiben zu entrinnen.

Am Ausgang der Ausstellung erwartete uns noch ein Bild der Hoffnung und des Wartens.

Der Krieg war zu Ende!

 

 

 

 

 

 

 

Ja, wir haben ihn hier anschaulich erleben können.“

Beeindruckend auch eine Geschichte über den holländischen Widerstandskämpfer Gerrit van der Veen, zwischen 1943 und 1945.

Er war maßgeblicher Initiator der Sprengung eines Bevölkerungsregisters, welches sich in Amsterdam befand. Damit rettete er vielen Landsleuten das Leben. Seine Mitstreiter wurden relativ schnell durch Verrat verhaftet und hingerichtet. Er selbst konnte untertauchen, wurde aber später verhaftet. Seine Hinrichtung war am 10.6.1944.

Für Schüler der Klassen 7 und 8, wurde ein gesondertes Bildungspaket entwickelt. Die Erforschung der Geschichte soll bei den jungen Menschen den Respekt vor der Menschheit festigen und den Gedanken an ein   “ Nie wieder Krieg“   verankern.

“Ein wahrhaft ergreifendes Erlebnis!“

Nach der Führung wurden wir Mitglieder der Redaktion “g-bunt“ noch zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Dabei hatten wir Gelegenheit, die vielen Eindrücke mit den Gastgebern zu vertiefen.

Kunigunde Moritz

Ein alter Schlüssel und seine "mögliche" Geschichte

Erbstreitigkeiten gibt es nicht selten. Aber eine „Erbauseinandersetzung“ um einen alten Schlüssel, das ist wohl eher eine Ausnahme.

Es war in den 1970er Jahren. Nach dem Tod des Vaters legten zwei von den vier erbberechtigten Kindern Wert auf einen alten Schlüssel, den der Vater immer hoch in Ehren gehalten hatte. Keiner von beiden wollte freiwillig verzichten. Also einigten sie sich schmunzelnd darauf, um den Schlüssel zu knobeln.

Was aber hatte es mit diesem Schlüssel für eine Bewandtnis?

 

Groß ist er (siebzehn cm), verrostet und alt. Früher hatte man solche Schlüssel für Kirchentüren, Bürgerhäuser oder Truhen.

Viel weiß man nicht von diesem Schlüssel. Er stammt vom alten evangelischen Friedhof an der Christuskirche in Ibbenbüren.

In den 1950er Jahren wurde beim Bau der Ludwigskirche Ausschachtungsmaterial aus der Kanalisation an der Marktstraße verwendet. Dabei fiel ein Erdklumpen auf. Aus halb verrottetem Sackleinen und Werg löste sich ein alter, verrosteter Schlüssel.

Viel mehr wissen die heutigen Besitzer nicht.

Eine kurze Notiz im Lokalteil der IVZ vom 09.10.1953 berichtet von dem Fund: „Ein alter Kirchenschlüssel wurde bei den Ausschachtungsarbeiten in der Marktstraße gefunden. Es handelt sich um einen handgeschmiedeten, wuchtigen Schlüssel, der offenbar zu einer Tür der evangelischen Kirche passte“.

Ein rätselhafter Fund. Wohin gehörte er, wem gehörte er? Solche Fragen stellte sich Engelbert Eiter, in dessen Besitz der Schlüssel - wie auch immer - gekommen war. Ihn interessierte Heimatgeschichte sein ganzes Leben, ganz gleich, ob sie Ibbenbüren, Tecklenburg oder die Grafschaft Lingen betraf.

So berichtete Engelbert Eiter im Dezember 1977 in einem Artikel der IVZ, dass 1674 zur Zeit der Reformation in der Obergrafschaft Lingen, zu der auch Ibbenbüren gehörte, die katholische Geistlichkeit unter Androhung einer hohen Geldstrafe (zweihundert Goldgulden) aufgefordert wurde, Kirchen, Pfarrhäuser etc. zu räumen und die Schlüssel zu diesen Gebäuden abzuliefern. Der damalige Pfarrer der Christuskirche, Johann Wielage, protestierte vehement dagegen. Er und sein Küster weigerten sich, die Schlüssel abzugeben. Es lag für Engelbert Eiter im Bereich der Möglichkeiten, dass die beiden, Pfarrer und Küster, den Kirchenschlüssel versteckt bzw. vergraben haben könnten.

Engelbert Eiter trennte sich sein Leben lang nicht von diesem Schlüssel. Der alte Schlüssel bekam einen besonderen Platz in der Wohnung, und die Familie wusste um seine etwas „mysteriöse“ Geschichte. Da man mit weiterem Rostfraß rechnen musste, ließ E. Eiter von einem Schmied eine Kopie des Schlüssels anfertigen. Seit 2015 befindet sich der alte Schlüssel im Stadtmuseum.

 

Werg:

Auch Heide genannt. Kurzfasern, die bei der Aufarbeitung und Verarbeitung von Flachs/Hanf anfallen. Sie lassen sich zu groben Garnen verspinnen und werden als Polster-, Putz- oder Abdichtungsmittel verwendet.

Maria Beier

 

In Ibbenbüren gibt es nur noch einen Eiskeller

Das Haus mit dem Flachdach in der Bildmitte ist der aufgestockte alte Eiskeller, dahinter sieht man das Josefstift

Wilhelm Meyer transportierte früher die Eisblöcke mit dem Pferdewagen

Im Jahre 1831 hieß die heutige Kanalstraße „Auf dem Kützelbach", auf plattdeutsch „Kürdelbiäke" genannt, weil dort das häus­liche Abwasser in einer offe­nen Rinne durch den Weg floss. Im Haus Kanalstraße 4,heute Wesselmann-Apke, be­fand sich um 1925 der Eiskel­ler von Getränke Benning. Dort wurde Natureis einge­lagert, Abnehmer waren die Gastwirtschaften in der Ge­gend. Mit dem Eis wurde in den Kellern das Bier gekühlt.
 
Das Haus war ein massives Bruchsteingebäude mit di­cken Wänden, innen war eine Isolierschicht aus einem Kork-Bitumen-Gemisch an den Wän­den. Erbaut wurde das Haus um 1800 von Friedrich Lin­demann.1832 gehörte es Jacob Isaac, später Glüsenkamp und Meese.Der Schuppen hatte die Ma­ße von etwa neun mal zwölf Metern.

Das aufsteigende Mauerwerk war zirka fünf Me­ter hoch und der Keller reich­te anderthalb Meter in die Tiefe. Auf der linken Seite konnte man mit dem Pferde­wagen durch das Haus bis in den Hof fahren. Die rechte Seite im Gebäude, ein langer Raum, war mit einer flachen Kuppel aus Sandstein über­wölbt. Das Gebäude hatte ein Satteldach, der Einwurf­-Schacht für die Eisschollen befand sich in der Gewölbe­-Mitte.

Das Eis kam aus dem Müh­lenteich und aus den Wiesen hinter der Werthmühle, den Flöthwiesen.  Die Wiesen zwi­schen der Aa und der heutigen Werthmühlenstraße wurden im Winter geflutet, es bildete sich eine Eisdecke. Wenn sie etwa zehn Zentimeter dick war, wurden die Eisschollen in handliche Stücke zersägt.

Gastwirt Wilhelm Meyer brachte die Eisblöcke mit dem Pferdewagen von den Flöthwiesen in die Stadt zu den Eiskellern. Auch Paul Benning holte das Eis gelegentlich mit seinem Pferd, dem grauen Schimmel „Meta", von der Werthmühle. In milden Win­tern musste das Eis aus Nor­wegen oder Schweden gekauft werden.

Nachdem ab etwa 1938 im Schlachthof neben der städti­schen Gasanstalt an der Werthmühle eine Linde-Eis­maschine arbeitete, ging die Zeit der Eiskeller zu Ende. Im Schlachthof wurde nun Stan­geneis produziert und an die Getränkehändler verkauft. Das war bequemer und preis­werter. Nach dem Krieg kaufte der Klempnermeister Hermann Wehmeyer das Gebäude. Er stockte es auf und baute es zu einem Wohn- und Geschäfts­haus mit Klempnerwerkstatt um. 1960 erwarb Klempner­meister Wysada das Haus in der Kanalstraße und richtete dort seinen Betrieb ein.

Wie schon erwähnt, gab es mehrere Eiskeller in Ibbenbüren. Der Bierverleger Paul Wölting an der Münsterstraße 79 hatte im Hof einen Eiskel­ler, ebenso der Rolinck-Bierverleger Sundermann an der Laggenbecker Straße und auch der Getränkehändler Ungruhe (Westfalia-Brauerei) an der Bachstraße. Ein ganz besonderer Eiskel­ler lag neben der Öl- und Kno­chenmühle (heute Garage am Knochenteich) bei Crespel und Deiters.

In der ehe­maligen Ölmühle wurden durch den Böttcher Deitert Fässer für Crespel & Deiters hergestellt. Die Fassdauben wurden im Knochenteich ge­wässert, damit sie biegsam wurden. Die Fässer dienten dem Versand von Weizenstärke. Der benachbarte Eiskeller war etwa sechs mal sechs Me­ter groß und aus Ziegelsteinen errichtet, das schräge Flach­dach war mit Teerpappe be­deckt. Der Boden war mit Torf belegt, damit sich das Eis län­ger hielt.

Dieses Eis erntete man aus dem Knochenteich an der Mühle.

In diesem Eiskeller wurden die Getränke des vornehmen Clubs „Gesellschaft Verein" kühl gelagert und dann in die Stadt zum Clubhaus gebracht. Es lag in der Klosterstraße (um 1950 wurde dort das Wichernhaus erbaut).

In diesem Club waren die namhaftesten Repräsentanten von Ibbenbüren vertreten. Mitglieder waren nur Offizie­re und Akademiker sowie „Kaufleute, die nicht selber im Geschäft bedienen mussten".

Dazu gehörten unter an­derem Glasfabrikant Wolff, Meese, Deiters, Többen und andere. Sie unterhielten ein großes, eigenes Klubhaus mit Fest­saal, erbaut im neo-romani­schen Stil. Der Verwalter des Klubhauses, damals nannte er sich Kastellan, war der Bött­cher Deitert, der den Eiskeller betrieb.

Um 1920 befand sich an der Osnabrücker Straße ein Eis­keller im Besitz der Brauerei Rolinck OHG Burgsteinfurt. Hier wurde für verschiedene Gastwirtschaften das Bier ge­kühlt, unter anderem auch für Carl Meese. Später hieß seine Gastwirtschaft an der Schulstraße „ Zum alten Kumpel“ oder „Meesen Elly". Das Eis für die Gasthöfe kam von den drei Brandteichen im Planetal un­terhalb von Leischulte. Dieser Eiskeller liegt an einer früher beliebten Rodelstrecke für Kinder oberhalb der Osnabrücker Straße 70.

Er ist der einzige Eis­keller, der noch heute in Ib­benbüren besteht, inzwischen ist er verschlossen, bis auf eine kleine Öffnung für Fledermäuse.

Werner Suer