"De Welle" Hellendoorn/Nijverdal

Datenschutzerklärung >>>>>>>

Wieder einmal haben Redaktionsmitglieder des Online-Magazins “g-bunt“ aus  Ibbenbüren die Partnerstadt Nijverdal besucht.

Der demografische Wandel zeigt immer mehr die Tendenz zum hohen Alter. Ein brisantes Thema,  wirft es doch in der Politik und Gesellschaft viele Fragen auf. Zum Beispiel: „Kann ich im Alter noch allein leben, was ist, wenn ich krank oder dement werde?“ Heime sind teuer, Pflegepersonal wird knapp. In Deutschland ist eine Grundversorgung gewährleistet, aber reicht das?

Die Redaktionsmitglieder von “Generation BUNT“ haben sich damit auseinander gesetzt und wollten auch einmal wissen, wie die Arbeit mit Senioren in den Niederlanden aussieht.

Was liegt da näher, als in der Partnerstadt Hellendorn/Nijverdal nachzufragen.  Karl-Heinz Mönninghoff, Redaktionsmitglied von g-bunt, hat sich mit den Organisatoren der Stiftung “De Welle“ in der Gemeinde Nijverdal in Verbindung gesetzt.

Nach einer herzlichen Begrüßung durch hauptamtliche Mitarbeiter aus der Abteilung Seniorenarbeit, wurde bei Kaffee und Traditionsgebäck ausführlich über ihre Arbeit berichtet.

Die Stiftung „De Welle“ besteht seit 2008 und ist eine breit aufgestellte Wohlfahrtsorganisation in der Gemeinde Hellendoorn/Nijverdal und Wierden.

In der Gemeinde Nijverdal findet man unter einem Dach vereint Mitarbeiter, die für die Koordination der breiten Palette von Aktivitäten und Dienstleistungen in der Arbeit mit Senioren, Kleinkindern und Flüchtlingen verantwortlich sind. Zur Seite stehen ihnen 500 freiwillige Mitarbeiter, aller Altersstufen, die sich täglich den anfallenden Aufgaben widmen. Ein offenes Haus, für alle zugänglich.

Nicht ohne Stolz wurde von einer Aktion erzählt, von der nachhaltig noch viele Menschen profitieren. In der Vergangenheit gab es viele organisierte Jugendbanden in den Gemeinden. Drogen, Alkohol, Überfälle und vieles mehr waren an der Tagesordnung. Selbst die Staatsgewalt stand dem ohnmächtig gegenüber. Irgendwann war die Idee geboren, sogenannte “Streetworker“, geschulte Sozialarbeiter, einzusetzen. Gleichzeitig wurden Jugendzentren gebaut, um den jungen Leuten eine Alternative bieten zu können.

Über mehrere Jahre mühevoller und gezielter Kleinarbeit, haben es die Sozialarbeiter geschafft, immer mehr Jugendliche von der Straße weg in die Jugendzentren zu holen. Heute sind viele von diesen jungen Leuten in der Freiwilligenhilfe organisiert, und geben ihre Erfahrungen an andere junge Menschen weiter.

Nun zur Arbeit mit den Senioren.

Nicht unbedingt gesund, aber dafür munter, so fühlen sich viele Menschen, die im hohen Alter ein noch weitgehend selbstbestimmtes Leben führen können. Das war und ist auch den Initiatoren der Stiftung wichtig. Jeder Senior kann sich registrieren lassen und die vielfältigen Angebote der Gemeinde in Anspruch nehmen.

Dafür gibt es kleine Bezirke mit Hauptehrenamtlichen, die ihre betreuten Personen kennen und um die Belange der Senioren wissen. Sie sind jeder- zeit erreichbar und koordinieren wiederum bei Bedarf einen entsprechend angefragten Einsatz mit den jeweiligen Freiwilligen dieses Bezirkes, wie Besuche zu Hause, Arzt- und Behördengänge usw.

Es wird auch darauf geachtet, dass ein Bewohner, dem das Essen gebracht wird, immer im Beisein eines Ehrenamtlichen ißt, denn es schmeckt besser in Gesellschaft.  Ein großes Netzwerk ist hierfür erforderlich, was allen Teilnehmern ermöglicht, untereinander zu kommunizieren und entsprechend zu Handeln. Die Zusammenarbeit mit externen Physiozentren ermöglicht weitere Angebote im Rahmen der Gesundheitsvorsorge.

Ein Beispiel ist ein 12-wöchiges Laufprojekt unter dem Motto:

 “Jeder Schritt zählt“.

Es wird mit jedem Teilnehmer vorab ein Gehtest durchgeführt. Physio- therapeuten werten den Test aus und statten dann die Akteure mit einem, für jeden individuell erstellten Wanderplan und einem Schrittzähler aus.

Einmal in der Woche wird das Ergebnis, wiederum eines jeden Einzelnen, gesichtet, ausgewertet und je nach Erfolg, mit einem neuen Ziel  ausgestattet. Die Teilnahme kostet 10 Euro.

Weitere Beispiele:

Jeder Bezirk bekommt von der Stadt Räume zur Verfügung gestellt, die  mit einer Küche ausgestattet sind, so dass Ehrenamtliche und Senioren kochen und gemeinsam essen können. Anschließende gesellige Runden zum Reden oder Spielen sind garantiert und werden dankbar angenommen. In einem dieser guten Stuben durften wir uns davon überzeugen, dass diese sogenannten “Nachbarschaften funktionieren und zu einem sehr großen Wohlbefinden beitragen.

 

 

 

 

 

Es gibt regelmäßig ein Pfannkuchen-Essen für Großeltern und Enkel. Drei Euro kostet dieses Angebot: „All you can eat. Für Kinder unter vier Jahren ist es kostenlos. Rege Teilnahme ist garantiert.

So werden übers Jahr viele Aktivitäten geplant und angeboten:

Tanzen, Bowlen, Radfahren, Gymnastik, Wandern sowie Bingo, Bastelnachmittage, Singen, Computerkurse, Reisen und einiges mehr. Bei Bedarf steht sogar ein Fahrzeug zur Verfügung, um Senioren, die nicht mobil sind, an Aktivitäten ihrer Wahl teilnehmen zu lassen. Die Beiträge sind für alle erschwinglich.

In einer Workshop-Reihe „POWER Resilience on age“ (Belastbarkeit im Alter), erforschen Senioren die Entschei- dungen der jeweiligen anderen für die Zukunft. Sie inspirieren sich auch gegenseitig. In sechs Workshops werden die Themen, Körper und Geist, soziale Kontakte, materielle Situation, Arbeit und Aktivitäten sowie Werte und Inspiration diskutiert.

So schließt sich immer wieder ein Kreis, denn Anregungen, Verbesserungen, Missstände und alles was ansteht, wird mit den Organisatoren, Freiwilligen und Senioren besprochen. So dass jeder in dieser Stiftung um den anderen weiß und in dieser Nachbarschaftshilfe schnell reagiert werden kann.

Nach einigen Stunden sehr regen Austausches, gespickt mit vielen Informationen, endete für die Redaktions-mitglieder ein großartiger Nachmittag. Abschließend durfte ein Besuch im “Pannenkoekenhaus Marle“ nicht fehlen. Genussvolles Essen und der Austausch über die Stunden in der Stiftung rundeten den Tag für alle Teilnehmer ab.

 

Das Team von “Generation BUNT“ war sich einig, dass der Besuch bei der Stiftung “De Welle“ eine große  Bereicherung war.

 

 

 

K. Moritz

 

Zurück