Ida Brockmeyer, Gemeindeschwester in Ibbenbüren

Die „Mutter Theresa“ von Ibbenbüren, wurde am 27.Mai 1892 in Schinkel/Osnabrück geboren.

Als ihr Vater starb war sie 13 Jahre alt.

Nach ihrem Schulabschluss 1905, in einer evangelischen Volksschule in Osnabrück, absolvierte sie eine Lehre als Verkäuferin bei Hettlage und ging 1911 zu Karstadt nach Kiel.

Im Jahr 1918 bewarb sie sich beim Diakonischen Mutterhaus Clemens in Münster. Der Gründer, Clemens-August Droste zu Vischering, erbaute es im Jahr 1808. Sein Leitspruch stand für die Mission in diesem Haus: „ Die Straßen der Stadt sind ihr Kloster – Gehorsam und Gottesfurcht ihre Klausur -  Bescheidenheit und Sittsamkeit ihr Schleier.“

In dieser Gemeinschaft wurden die Schwestern nur mit ihrem Vornamen angeredet. Am 1.März 1919 begann Ida Brockmeyer eine Ausbildung als Wohlfahrtspflegerin, die heutigen Sozialarbeiterinnen, in Bremen. Bremen war in damaliger Zeit offensichtlich die zentrale Ausbildungsstelle für diesen Berufszweig. Danach arbeitete sie noch einige Jahre im Norden Deutschlands und wurde 1925 ins Diakonissenamt eingesegnet.

Auch sie hatte einen Leitspruch:

 „Das will ich mir schreiben im Herz und im Sinn,  dass ich nicht für mich auf Erden bin, dass ich die Liebe , von der ich leb, liebend an andere weitergeb.“

Als sie am 1.September 1927 in Ibbenbüren eingesetzt wurde, spiegelte sich dieser Leitspruch schon nach kurzer Zeit in all ihrem Handeln wieder. Schwester Ida gehörte in Ibbenbüren dem Sozialausschuß an, hierüber knüpfte sie offensichtlich Kontakte zu Familien, die in Ibbenbüren Rang und Namen hatten,            

zum Beispiel, Fam. Drees am Oberen Markt, Bekleidungshaus Overmeyer, um nur einige zu nennen. Ein Beispiel zum Kaufhaus Overmeyer: Kinder aus wirtschaftlich schwachen Familien wurden einmal im Jahr komplett kostenlos eingekleidet. Ihr Verdienst!

Sie engagierte sich sozial und wirtschaftlich, wusste mit allen Schichten der Bevölkerung umzugehen. Ihr lag besonders die Fürsorgepflicht gegenüber Familien und benachteiligten Kindern am Herzen. Sie war überall, dort wo Hilfe notwendig war, ob es Vertriebene waren, derer sie sich annahm, oder ob sie sich einmischte in die Kindererziehung. Missstände wurden von ihr angesprochen und dank guter Kontakte auch oft beseitigt.

 

 

Redaktionsmitglieder von „GENERATION-BUNT“ haben noch Zeitzeugen befragen können. Der erste der Zeitzeugen, Wilhelm Freese, erzählte:

Im Jahr 1936 war seine Mutter sehr krank. Schwester Ida hatte kurzfristig nur eine katholische Schwester in den evangelischen Haushalt vermitteln können. Zur damaligen Zeit keine Selbstverständlichkeit, aber für Schwester Ida gab es keine Berührungsängste. Es musste geholfen werden und da gab es keine Ausnahme.

Weiter erzählte er von einem Mädchen, dass offensichtlich nicht geplant zur Welt kam und als Mündel von einer Familie zur anderen weitergereicht wurde, eine billige Arbeitskraft. Schwester Ida verschaffte ihr eine Stelle bei den Schwestern im Krankenhaus, was bei diesem Status früher unmöglich war.

Ein weiterer Zeitzeuge, Helmut Wiegmann, erzählte:

Schwester Ida besuchte, pflegte und betreute auch ältere Leute. Sie hatte kein Fortbewegungsmittel, so musste sie oft weite Wege zu Fuß zurücklegen. So auch im Jahr 1944, wo sie dreimal in der Woche zu Oma Niemöller ging. Diese wurde von ihr betreut und wohnte an der vier Kilometer entfernten Alstedder Grenze. Auch wusste er, dass sie oft die Kinder im evangelischen Stadtkindergarten im Gemeindehaus besuchte. Dort wohnte sie mit Schwester Arnolde, die sie lange Jahre begleitete.

Marie-Luise Dobek erinnerte sich noch in der Form an Schwester Ida, dass sie  klein, untersetzt,  mütterlich und sehr herzlich war. Sie erzählte noch, dass Schwester Ida   im Jahr 1956 jede Woche vom ehemaligen Steinbruchbesitzer Braunschweig, Oststraße 3, heute Familie Dobek, Tüten voller Obst für Bedürftige aus dem Garten holte.

Ein weiterer Zeitzeuge, Friedhelm Kandelhardt:

Seine Mutter war Witwe. Schwester Ida war auch hier zur Stelle um zu helfen. Er erinnerte sich an eine Großfamilie auf dem Schafberg. Die Armut war so groß, dass die Mutter bei beiden Pastoren aus Ibbenbüren um Almosen nachgefragt hat. Sie wurde weggeschickt mit den Worten, sie hätten nichts, sie sollte doch mal zu Schwester Ida gehen.

Die eindeutige Aussage aller war, durch ihre Autorität, Standhaftigkeit und vor allem ihr Einsatz für Schwache, schaffte sie es, vielen Menschen eine Perspektive zu geben.

Noch bis ins letzte Lebensjahr machte sie im Krankenhaus Besuche bei „ihren“ Patienten.

Am 19. Februar 1976 ist Schwester Ida im Alter von 83 Jahren in Ibbenbüren gestorben. Als Gemeindeschwester war sie fast 50 Jahre lang in Ibbenbüren bekannt, beliebt und geachtet.

„Sie hat sich um Ibbenbüren  und ihre Menschen verdient gemacht!“

 

 Kuni Moritz und Werner Suer

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